Räumlich isoliert, aber nicht allein

Die meisten Menschen, die neu in ein Land kommen, finden nur schwer Kontakt zu Einheimischen. Dabei sind es Freunde, die uns Halt und Unterstützung geben. Unverzichtbar für jeden Einzelnen – aber auch für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Mit der Vision, durch Begegnungen zwischen Geflüchteten und Locals Vorurteile abzubauen und soziale Netzwerke zu stärken, setzte ein kleines Team von Freunden Ende 2014 in Berlin die Idee von Tandems in die Tat um: Die Initiative Start with a Friend wurde gegründet.

Aus der Vision wurde schnell eine bundesweite Organisation: Heute gibt es Start with a friend in 22 Städten, über 6300 Tandems wurden gebildet, zahlreiche Freundschaften sind entstanden. Das Projekt lebt von direkter Begegnung und gemeinsamen Unternehmungen. Aber genau das ist in Zeiten des Social Distancing nicht möglich. Für die Haupt- und Ehrenamtlichen von Start with a friend ist das jedoch kein Grund, nicht weiterhin Freundschaften zu stiften. Die Krise wird als Ansporn, nicht als Hindernis gesehen.

Vorteil des Teams aus 16 Hauptamtlichen und über 300 Ehrenamtlichen ist, dass auch schon vor der Krise viel digital gearbeitet wurde. Darum war es leichter, das gesamte Projekt auch auf digitale Begegnungen umzustellen. „Für Tandems kann es herausfordernd sein, erstmal eine digitale Partnerschaft einzugehen. Darum haben wir viele Tipps zusammengestellt, wie man sich auf digitalem Wege kennenlernen kann und etwas zusammen erleben kann, ohne physisch zusammen zu sein. Wir begleiten unsere Tandems natürlich weiterhin. Und es wird auch eine Zeit nach Corona geben, in der echte Begegnungen wieder stattfinden können“, sagt Dominique da Silva, zuständig für Engagierten-Management und Pressearbeit. Das digitale Kennenlernen scheint zu funktionieren: Im März sind bundesweit über 80 neue Tandems entstanden.

Um die bundesweite Community noch stärker zu vernetzen und das Gefühl der Zusammengehörigkeit gerade in der Krise zu stärken, veranstaltete Start with a friend vom 30. März bis zum 17. April via Zoom ‚Digitale Wochen‘. Da gab es Lesungen, Yoga, Kochkurse und sogar einen bundesweiten Quizabend. Der krönende Abschluss war ein Online-Wohnzimmerkonzert. Diese Angebote wurden sehr gut angenommen.

Für viele Einwanderinnen und Einwanderer ist die Flut an Informationen über das Coronavirus und die damit verbundenen Regelungen auch eine sprachliche Herausforderung. Daher hat Start with a friend es sich zur Aufgabe gemacht, alle Informationen auf Verständlichkeit zu prüfen und in einfacher Sprache zur Verfügung zu stellen. Auch dieses Vorgehen wird von der Community sehr gelobt.

 „Insgesamt haben wir eine viel höhere Partizipation der Tandem-Community und der Engagierten zu verzeichnen, die sich aktiver als sonst einbringen, sich austauschen, auch eigene Sessions anbieten, uns ihre Ideen auf Slack schicken“, freut sich Dominique da Silva über die gute Resonanz. Die Idee von Start with a friend, Begegnungen zu schaffen und damit Distanz zu überbrücken, ist in der Krise wichtiger denn je. Sie ist überzeugt:

„Gerade in Zeiten physischer Isolation sind es Beziehungen, die uns stärken. Menschen, mit denen wir uns darüber austauschen können, wie es uns mit den Ausgangsbeschränkungen ergeht, was wir mit unserer Zeit anfangen und welche Sorgen oder Ängste wir haben. Aber auch mal über etwas anderes zu reden, neue Perspektiven und andere Menschen kennenzulernen, kann jetzt guttun. So bleiben wir in Kontakt. Wir sind zwar räumlich isoliert, aber nicht allein.“

Wer Lust hat, bei Start with a friend mitzumachen, kann sich jederzeit auf der Website anmelden: https://www.start-with-a-friend.de/mitmachen

Auf dem Foto: Das Tandem Nabih und Finn aus Hamburg in einem Videocall

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