(Selbst)Hilfe für Menschen in psychischen Krisensituationen: Jetzt besonders wichtig!

Die derzeitige Krisensituation durch Corona birgt ein hohes Risiko für die psychische Gesundheit. Wir erleben Isolation, Einsamkeit, Unsicherheit, Enge, eine Flut von Nachrichten und Bildern – und viele Menschen können sich wenig ablenken, indem sie Freunde oder Freundinnen treffen oder Freizeitaktivitäten nachgehen.

„Wahrscheinlich kommen gerade mehr Menschen in eine psychische Krise“, meint Sandra Mandl, Vorstandsmitglied vom Bundesverband „Initiative für Gesundes Leistungsklima e.V.“.

Der gemeinnützige Bundesverband IFGL e.V. wurde 2013 gegründet. Ziel des IFGL ist die Förderung eines Leistungsklimas, das die psychische Gesundheit nicht belastet. Zudem ist dem Verband die Entstigmatisierung von Depressionen und Burnout wichtig. Deshalb wurden bislang bundesweit 10 Selbsthilfegruppen, sogenannte „ABCs“ (Andere Burnout Cafés), gegründet, die einmal monatlich stattfinden und von geschulten Ehrenamtlichen moderiert werden. Darüber hinaus wurde das Projekt „Ersthelfer_innen für psychische Belastungen“ ins Leben gerufen. Die ehrenamtlichen Ersthelfer_innen lernen in einer eigens entwickelten Ausbildung, psychische Belastungen und Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und den betroffenen Menschen angemessen zu helfen, bevor schwerwiegendere Folgen auftreten. Sie leisten somit wichtige Präventionsarbeit – zum Beispiel in Unternehmen.

Natürlich brachte der Ausbruch der Corona-Pandemie auch für den IFGL e.V. viele Veränderungen mit sich. Präsenzveranstaltungen können in ihrer bisherigen Form nicht mehr stattfinden.

Sandra Mandl zeigt sich dennoch positiv: Klar, es gebe Krisen im Team – die Schwierigkeit, die Kinder zu betreuen zum Beispiel –, aber letztlich seien alle unheimlich motiviert, sich in die neue Situation einzufinden. „Wir haben sofort auf Online-Angebote umgestellt und alle Teammitglieder zeigen eine Riesenbereitschaft, Neues auszuprobieren“, erzählt sie. Der Vorteil war, dass es bereits vor Corona Online-Angebote gegeben habe, technisch seien sie gut aufgestellt gewesen. Dennoch hätten die meisten ModeratorInnen der Burnout-Cafés ausschließlich Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Diese mussten sich von einem auf den anderen Tag komplett umstellen.

„Das Gute an solch einer Situation ist: Auch die Teilnehmenden sind sehr wohlwollend und verzeihen, wenn mal etwas nicht direkt funktioniert“, erzählt Sandra Mandl mit einem Grinsen im Gesicht. Ein weiteres Plus: Online sei es möglich, standortunabhängig an den Terminen teilzunehmen.

Das Thema psychische Gesundheit ist gegenwärtiger denn je – das macht sich auch an den Teilnehmerzahlen der Online Burnout-Cafés bemerkbar. „Wir erreichen aktuell sogar mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, erzählt Sandra Mandl. Vor allem das ABC „Umgang mit Ängsten“ war sehr gut besucht. Selbsthilfe und LaienhelferInnen, so ist Sandra Mandl sich sicher, können wertvolle Unterstützung bieten, bevor eine Therapie beginnt – generell, aber vor allem auch in besonderen Krisenzeiten, wie diesen.

„In dieser Situation ist es so wichtig, sich um die Menschen zu kümmern. Gerade jetzt braucht man das noch mal mehr.“

Zukünftig soll in den Ersthelfer_innen-Ausbildungen, die hauptsächlich auf die Hilfe vor Ort ausgerichtet waren, verstärkt darauf eingegangen werden, wie man am Telefon, aber auch Online adäquate erste Hilfe für psychische Krisen leisten kann. 

Und die bisherige Lehre aus der Krise?

„Was generell – und in dieser Krise besonders – wieder sichtbar wird und für mich enorme Wichtigkeit hat, ist, dass man sich Hilfe und Unterstützung holen kann, wenn es einem nicht gut geht. Das finde ich so wichtig. Es ist so hilfreich, wenn man in den Treffen merkt: Man ist nicht allein. Allein dieses Wissen löst schon so viel und ist schon so erleichternd.“

Für diese positive Wirkung setzen sich Sandra Mandl und die Mitglieder des IFGL e.V. weiterhin komplett ehrenamtlich und mit sehr viel Engagement ein. Um psychisch belasteten oder erkrankten Menschen in dieser – und anderen besonderen Lebenssituationen – wirkungsvoll zu helfen.

Der Verband freut sich jederzeit über Engagierte, die ehrenamtlich tätig werden möchten. Mehr Infos gibt es hier.