Warum sich die Gründerin von Silbernetz e.V. wie Sternentaler vorkommt

Viele alte Menschen leiden unter Einsamkeit und haben niemanden, mit dem sie sich regelmäßig unterhalten können. Das war auch schon vor der Corona-Krise der Fall. Deshalb gründete Elke Schilling 2014 den Verein Silbernetz. Ziel war und ist es, alte Menschen aus ihrer Isolation zu holen. Das Angebot des Vereins besteht aus drei Säulen: Das „Silbertelefon“ können Menschen ab 60 anonym und unverbindlich anrufen, wenn sie sich einsam fühlen und einfach mal jemanden zum Reden brauchen. Die ehrenamtlichen „Silbernetzfreund_innen“ rufen regelmäßig und zuverlässig einmal in der Woche an. Und das dritte Projekt, die „Silberinfo“, vermittelt Kontakte und professionelle Hilfe in der Nachbarschaft. Bisher konnte Silbernetz diese Angebote nur Berliner Seniorinnen und Senioren machen. Aber seit dem 13. März 2020 ist das „Silbertelefon“ bundesweit erreichbar. Denn gerade jetzt ist die Möglichkeit, mit der Außenwelt übers Telefon in Kontakt zu bleiben, wichtiger denn je.

Darum hat Elke Schilling Kooperationen gesucht und gefunden. Mit gemeinschaft.online fand sich der richtige Partner, um das Silbernetz noch bekannter zu machen und bundesweit anbieten zu können. „Die Geschwindigkeit ist atemberaubend. Eigentlich wollten wir erst im nächsten Jahr bundesweit aktiv sein. Plötzlich ging alles ganz schnell,“ erzählt Elke Schilling begeistert. Die Telekommunikationsfirma Snom spendete 100 Telefone, die Firma Jabra steuerte 100 Headsets bei. Jeden Tag melden sich mindestens 20 Freiwillige, die mittelefonieren wollen. Jetzt sitzen bereits 55 Menschen im Homeoffice am „Silbertelefon“, bald werden es 100 sein.

Elke Schilling ist von der Welle der Hilfsbereitschaft überwältigt: „Seit letzter Woche und der Geschichte mit den Telefonen und den Headsets komme ich mir ein bisschen wie Sternentaler vor: Ich halte meine Silbernetzschürze auf und von allen Seiten stürzen die Dinge herein, die andere Leute uns schenken, damit wir unsere Arbeit machen können. Das ist wunderbar!“

Sogar der Bundespräsident hat angerufen. Er wollte sich bedanken und hören, was die älteren Menschen so bewegt. Die angerufene Mitarbeiterin freute sich und berichtete Elke Schilling anschließend stolz per SMS: „So Elke, jetzt kennt uns der Bundespräsident.“

Insgesamt hat die Corona-Krise dem Projekt viel Aufmerksamkeit und einen großen Schub beschert. Elke Schilling ist dankbar, dass Silbernetz in dieser schwierigen Zeit älteren Menschen in ganz Deutschland Hilfe anbieten kann. Und welche Lehre zieht sie aus der Krise?

„Diese Krise bestätigt meine Lebensphilosophie: Jedes Ding hat zwei Seiten. Und die Corona-Krise ist als solche für viele Menschen etwas ganz Schreckliches. Aber auf der anderen Seite bringt sie ganz viele Dinge an den Tag, von denen wir fast vermutet hatten, dass es sie gar nicht mehr gibt: Nähe, Nachbarschaft, Bereitschaft zu helfen und beizutragen; die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, selbst wenn Isolation angesagt ist.“

Einfach mal reden können Menschen ab 60 unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 70 80 90 täglich von 8.00 bis 22.00 Uhr. Das Silbernetz freut sich außerdem über Spenden für die Telefongebühren. Weitere Informationen finden sich unter silbernetz.org und unter gemeinschaft.online.

Foto: © paulschaerf.com

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