"Wir müssen uns klar machen, dass wir alle das Gleiche wollen"

Der Hamburger Verein StrassenBLUES will Aufmerksamkeit für Obdachlose schaffen und Menschen motivieren, in der Obdachlosenhilfe aktiv zu werden. Mit vielen unterschiedlichen Projekten und ungewöhnlichen Aktionen schafft der Verein seit 2016 Begegnungen auf Augenhöhe und zeigt kreative Möglichkeiten und Wege aus der Armut auf.

Aber in diesem Jahr ist alles anders: Als Reaktion auf die Corona-Pandemie, musste das Team Anfang März seine komplette Jahresplanung umwerfen. Veranstaltungen, und Aktionen wie der StrassenGEBURTSTAG, können nicht mehr stattfinden.

Das Engagement für Obdachlose wird aber so dringend benötigt, wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Die Betroffenen auf der Straße erhalten kaum Spenden mehr, Sozialeinrichtungen sind geschlossen und die Menschen haben nicht die Möglichkeit, sich zu Hause zu isolieren. Zudem gehören sie zur Risikogruppe, da sie häufig ein geschwächtes Immunsystem und/oder Vorerkrankungen haben.  

„Also wenn man in der Vergangenheit bereits einen Obdachlosen-Verein mit einem Sinn dahinter hatte, dann muss man erst recht JETZT reagieren.“

So die Meinung des Vorsitzenden und Gründers von StrassenBLUES Nikolas Migut. Deshalb wurde im ersten Schritt die Aktion StrassenSPENDE ins Leben gerufen. Innerhalb eines einzigen Tages, Mitte März, entschied sich das Team dazu, einen Online-Spendenaufruf auf betterplace.org zu starten. Zusammen mit vielen Freiwilligen, den StrassenHELDEN, verteilt StrassenBLUES jetzt schon seit einigen Wochen die gesammelten Spenden in Form von 20-Euro-Soforthilfen an Obdachlose. Mittlerweile wurden schon insgesamt 25.000 Euro an die Betroffenen ausgegeben.

Aufgrund der hohen Resonanz und der positiven Rückmeldungen auf der Straße, entschied man sich schnell, die Aktion mithilfe des eigenen Netzwerkes sowie mit Unterstützung der KARUNA Sozialgenossenschaft auf die Städte Berlin, Frankfurt, Wiesbaden und München zu erweitern.

Innerhalb kürzester Zeit ist die ursprüngliche Idee zu einem kollaborativen Projekt herangewachsen. Viele Akteure haben sich bei StrassenBLUES gemeldet, um bei der Unterstützung der Obdachlosen zu helfen: TV-Koch Tarik Rose aus Hamburg bereitet jeden Tag ehrenamtlich StrassenSUPPEN für die Betroffenen zu, die Bäckerei Junge spendet täglich frische Brötchen und PAPSTAR steuert ökologische Verpackungen für die Lebensmittel bei. Alles wird dann zusammen mit den gesammelten StrassenSPENDEN vom Social Startup recyclehero mit Lastenrädern ausgeliefert – natürlich ehrenamtlich. Mittlerweile wird auch noch eine Info-Zeitschrift beigelegt, die Obdachlose in fünf Sprachen über die aktuelle Situation und deren Risiken aufklären soll.

„In den letzten Wochen ist mir noch einmal bewusst geworden: Allein schafft man wenig, als Person sowieso nicht, aber selbst ein Verein allein schafft wenig. In der aktuellen Krise müssen wir uns echt klar machen, dass wir alle gemeinsam das Gleiche wollen und wirklich Menschenleben retten können.“

Für Nikolas Migut, ist es von großer Bedeutung, sich gemeinsam zu organisieren. Die Folgeaktion #hotelsforhomeless, die gerade gestartet wurde, unterstützt deswegen auch eine Petition von GoBanyo, Hamburger Gabenzaun und Leben im Abseits e.V.. Die gemeinsame Forderung: freie Räumlichkeiten in Hotels, Obdachlosen zur Verfügung zu stellen, damit diese dort Schutz suchen können. Einige Städte haben bereits damit angefangen und StrassenBLUES und Partner wollen auf diese Lösung aufmerksam machen und Druck auf die Länder und Kommunen ausüben.

„Vielleicht gibt uns die aktuelle Situation gerade auch die Chance, Dinge zu verändern und zu ermöglichen, die vorher nicht möglich waren.“

Jeder hat die Möglichkeit, sich an der Arbeit von StrassenBLUES zu beteiligen. Für die Aktion StrassenSPENDE kann weiterhin auf betterplace.org gespendet werden. Außerdem zeigt StrassenBLUES auf der eigenen Website, wie sich jeder direkt an seine Kommune / Behörden wenden kann, um Obdachlose in Hotels unterzubringen und wie man sich darüber hinaus für die Aktion #hotelsforhomeless stark machen kann.

Hier gehts zu allen Mut machenden Geschichten.