Wie Paten gewonnen und eingesetzt werden

Norman Breitling

Soziale Projekte profitieren von Patenschaften und auch die Projektpaten haben etwas davon – eine Projektpatenschaft ist eine wechselseitig bereichernde Beziehung.

Für Ihr soziales Projekt ist ein Projektpate immer von Vorteil. Einerseits unterstützt der Pate Ihr Projekt durch die eigene Außenwirkung: Das sorgt dafür, dass über Ihr Projekt gesprochen wird. Als Paten kommen Prominente in Ihrer Stadt in Frage, der Bürgermeister oder der Inhaber eines großen Unternehmens in Ihrer Region. Für die spätere Pressearbeit wird Ihr Pate als Türöffner in die Medien dienen. Durch die Patenunterstützung generieren Sie einen Mehrwert für die Journalisten. Denn wenn Paten bekunden, dass sie von der „guten Sache“ überzeugt sind, erreichen Projekte einen höheren Stellenwert und gestalten sich automatisch interessanter. Oft möchten Paten sich auch finanziell engagieren und „ihr“ Projekt durch Geld- oder Sachspenden unterstützen. Zumindest können sie für das Interesse potenzieller Sponsoren sorgen.

Auch die Paten haben Vorteile: Sie finden das Projektvorhaben gut und geben ihren Namen und/oder ihr Gesicht her. Dadurch, dass Ihr Projekt in die Medien und ins Gespräch kommt, entsteht eine Verbindung zwischen Paten und sozialem Anliegen. Es entsteht eine „Win-Win-Situation“, die auch als Doppelsiegstrategie bekannt ist: Beide Seiten erzielen einen Nutzen. Ihr Pate hat eigentlich keine Aufgabe und gewinnt trotzdem an Ansehen. 

Verschiedene Arten der Patenschaft
Der prominente Pate, auch Testimonial genannt, wirbt mit seinem Auftreten in der Öffentlichkeit für Ihr Projekt. Die Außendarstellung Ihres Projekts erhält einen gewissen „Promi-Faktor“.

Der Firmenpate wirbt mit seinem Unternehmen für das Projekt. Er gibt seinen Firmennamen oder seinen eigenen Namen her und unterstützt das Projekt finanziell oder durch Sachleistungen. Hier besteht die Möglichkeit, den Firmennamen in den Projektnamen zu integrieren.

Der öffentliche Pate kann ein Volksvertreter oder eine öffentliche Organisation sein. Hier wirbt der Pate nur mit seinem Namen und sorgt in Ihrer Region für einen Imagetransfer. Wichtig ist, dass politische Orientierungen unangetastet bleiben. Ihr Bürgermeister als Schirmherr vertritt beispielsweise Ihr Vorhaben in der Öffentlichkeit und kommuniziert es in der Region.

Welcher Pate ist der Richtige?
Um den richtigen Paten zu finden, müssen Sie sich zunächst einige Fragen stellen:

  • Welchen Bereich, welchen Aspekt in meinem Projekt möchte ich in erster Linie abdecken?
  • Was ist für mich langfristig am wichtigsten?
    - Finanzielle Unterstützung
    - Prominentes Gesicht oder bekanntes Unternehmen
    - Sachleistungen, die mein Vorhaben unterstützen.
  • Welche Möglichkeiten habe ich, meinen Paten zu unterstützen? Welche Gegenleistung kann ich anbieten? 
  • Was macht mein Projekt in den Augen der Paten „besonders“? Wie kann ich das Interesse des Paten wecken? 

Wie gewinne ich Paten für meine Sache?
Nach Ihren Vorüberlegungen wissen Sie, wo Sie einen Paten einsetzen wollen? Jetzt geht es an die Kontaktrecherche. Erstellen Sie eine Datenbank mit Adressen und Ansprechpartnern. Fragen Sie auch in Ihrem eigenen Netzwerk (Freunde, Bekannte, Sportverein etc.) nach möglichen Kontakten. Der beste Weg, einen Kontakt aufzubauen, ist die direkte Ansprache. Rufen Sie einfach an, stellen Sie kurz Ihr Vorhaben vor und vereinbaren Sie einen Termin. 

Was muss ich meinem potenziellen Paten vorstellen?
Definieren Sie zunächst klar und deutlich Ihr Projekt, damit Sie Ihrem potenziellen Paten etwas vorlegen und alles Wichtige über das Projekt vermitteln können. Schreiben Sie einen Plan, eine Anleitung, um die Patenfunktion zu verdeutlichen. Einige Beispiele: 

  • Bild und Namen in Werbemitteln und Pressemeldungen verwenden 
  • Firmenname wird Teil des Projekts
  • Schirmherrschaft und Auftrittsmöglichkeiten an Veranstaltungsorten
  • Finanzielle Unterstützung in regelmäßigen Abständen klar definieren 
  • Sachleistungen durch Überlassen oder Verleihen von Materialien, Arbeitskräften oder anderen Dienstleistungen. 

Was wollen Sie für Ihren Paten tun? Erstellen Sie eine Liste mit Werbemöglichkeiten, in denen er genannt wird. Wenn Sie Veranstaltungen mit Auftrittsmöglichkeiten als Moderator haben, weckt das mit Sicherheit Interesse. Schlagen Sie vor, den Patennamen in den Projektnamen oder in den Namen einer Ihrer Veranstaltungen zu integrieren. Einige Beispiele zum Thema Namensgebung: 

  • Der Erlös aus dem WWF Benefiz Golf Cup 2007 kommt dem brasilianischen Regenwald zu Gute …
  • TILAK Benefizkonzert zu Gunsten der Generalsanierung der Spitalskirche des Bezirkskrankenhauses Schwaz …

Tipps und Tricks 

  • Große Unternehmen und Persönlichkeiten bekommen oft Sponsoringanfragen. Also ist es wichtig, dass sich Ihr Projekt von anderen Projekten abhebt.
  • Hören Sie Ihrem Paten zu und nehmen Sie seine Vorschläge auf. Vielleicht kommen weitere Ideen auf den Tisch, an die Sie noch nicht gedacht haben. Gerade Prominente haben schon einige Erfahrungen gesammelt.
  • Wenn Sie einen Paten gefunden haben, bleiben Sie in Kontakt. Schreiben Sie Dankesbriefe, z.B. nach Auftritten bei Veranstaltungen, senden Sie Informationen und Materialien zu Ihrem Projekt, melden Sie sich gelegentlich persönlich oder telefonisch. 
  • Schreiben Sie „auf Vorrat“ einen kurzen Text, der Ihren Paten vorstellt. Das hilft z.B., wenn Sie ihn bei Veranstaltungen vor Publikum begrüßen oder in Pressemeldungen über die Patenschaft berichten. Prüfen Sie Titel, Schreibweisen, Angaben zum Lebenslauf; stimmen Sie dies gegebenenfalls mit dem Paten ab.

Fallbeispiele

  • Aidskampagne des Regenbogen e.V. Saarbrücken:

Das Projekt des Regenbogen e.V. Saarbrücken (deutsche Anti-Aids-Kampagne 2007) mit dem Projektnamen „Clips gegen Aids“, hat ein Internetportal ins Leben gerufen, auf dem Video- und Musikclips mit dem Thema Aidsprävention hochgeladen werden konnten. User konnten Profile erstellen und sich in Foren über verschiedene Themen austauschen. Hierfür wurde der Entertainer Oliver Pocher als Testimonial gewonnen, die Anzeigen wurden von einer Werbeagentur gestaltet, zusammen mit einer PR-Agentur die Pressetexte geschrieben und verschickt, ein Medienverteiler erstellt und die Anzeigen/Online-Banner platziert. Alle Akteure waren entweder als Sponsoren oder Paten kostenlos an diesem Projekt beteiligt. 

  • Work for Humanity – ein Projekt der Bremer Friseure zur Flutkatastrophe in Asien: 

Nach der Tsunami-Flutkatastrophe in Asien entstand ein Projekt namens „Work for Humanity“ (www.workforhumanity.de). Über 60 Friseursalons in Bremen haben an einem Montag ihre Türen geöffnet. Jeder Haarschnitt kostete 15 EUR, egal ob „Topdesigner“ oder „Cut-and-Go-Friseur“. An nur einem Tag erwirtschafteten die Friseure über 18 Tsd. EUR für den guten Zweck. Von dem Geld hat der Tsunami-Direkthilfe e.V. elf Fischerboote in Koyao Noi in Thailand gekauft, um den dort lebenden Fischern eine „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. Hier wurde die Schauspielerin Natalia Wörner als Schirmherrin und Gesicht der Kampagne gewonnen. Frau Wörner war den ganzen Tag in Bremen und stand für Interviews, Fotos und einen Haarschnitt bereit. Viele Sponsoren haben sich beteiligt. Es wurden unter anderem Sachleistungen zur Verfügung gestellt – kostenlose Anzeigenplätze, Postkartenverteiler, Poster und andere Drucksachen. Insgesamt wurden an diesem Tag rund eine Million Medienkontakte generiert, die umgerechnet einen Anzeigenäquivalentwert von ca. 1,5 Mio. EUR gehabt hätten.

Der Artikel ist 2008 im startsocial-Stipendiatenhandbuch erschienen.

Norman Breitling wurde 1980 in Dessau geboren. Nach dem Jurastudium an der Universität Bremen folgte der Schritt in die Selbständigkeit. Seit Januar 2003 ist er Inhaber der Werbeagentur brandfisher // creative people. Zudem hat er das Hilfsprojekt „Work for Humanity“ gegründet. Im Jahr 2007 war er für die marketingstrategische Umsetzung der deutschen Aidskampagne des Regenbogen e.V. Saarbrücken verantwortlich und seit November 2007 ist er als Coach bei startsocial tätig.