30. Juli 2026

Was brauchen soziale Initiativen?

Wie geht es den sozialen Initiativen im startsocial-Alumni-Netzwerk? Welche Unterstützung wünschen sie sich, welche Hürden prägen ihren Alltag – und was können Förderpartner, Verwaltungen und andere Akteure besser machen? Eine Befragung unter 117 startsocial-Alumni gibt darauf klare Antworten (Stand Mai: 2026).

Steigende Nachfrage trifft auf begrenzte Kapazitäten

Die Ergebnisse zeigen: Der Bedarf an den Angeboten der Initiativen wächst deutlich schneller als ihre eigenen Kapazitäten. Rund 75 Prozent der Befragten berichten, dass die Nachfrage nach ihren Angeboten im Jahr 2025 gewachsen oder stark gewachsen ist. Die Angebote konnten dagegen nur um knapp 49 Prozent gesteigert werden. Viele Initiativen müssen somit mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen auf einen steigenden gesellschaftlichen Bedarf reagieren.

Vernetzung und Finanzierung stehen ganz oben auf der Wunschliste

Bei der Frage nach künftigen Alumni-Angeboten zeigt sich ein großes Interesse an Austausch und Vernetzung. 68 Prozent der Befragten könnten sich digitale Vernetzungsveranstaltungen mit anderen sozialen Initiativen vorstellen, insbesondere mit Organisationen aus dem eigenen Themenbereich. Auch Vor-Ort-Treffen stoßen mit 63 Prozent auf hohe Zustimmung. 58 Prozent interessieren sich zudem für ein digitales „Adressbuch“, über das Kontakte, frühere Stipendiaten und Beratungsschwerpunkte von Coaches gefunden werden können.

Besonders relevant ist allerdings die Verbindung zwischen Vernetzung und konkreter Unterstützung: Müssten sich die Alumni für nur ein Angebot entscheiden, würde fast ein Viertel eine gemeinsame Ansprache lokaler Unternehmen mit der Unterstützung von startsocial bevorzugen. Dahinter folgen digitale Vernetzungsveranstaltungen innerhalb des eigenen Themenbereichs und eine dauerhafte digitale Community-Plattform. Reine Messenger-Gruppen spielen dagegen kaum eine Rolle.

Der aktuell größte Unterstützungsbedarf liegt eindeutig bei Fundraising und Finanzierung. 36 Prozent der frei formulierten Antworten entfallen auf diesen Bereich. Dahinter folgen operative Umsetzung und Ressourcen, Strategie und Organisationsentwicklung sowie Marketing und Kommunikation. Gleichzeitig bringen die Alumni viel eigenes Wissen mit: 38 Prozent nennen fachliche Expertise, die sie im Netzwerk weitergeben könnten, weitere 17 Prozent Kompetenzen in Marketing und Kommunikation. Die Befragung macht damit auch das Potenzial eines Alumni-Netzwerks sichtbar, in dem Unterstützung nicht nur empfangen, sondern gegenseitig angeboten wird.

Finanzierung, Personalmangel und Bürokratie bremsen Engagement

Bei den größten Hürden im Alltag steht ebenfalls die Finanzierung an erster Stelle. 34 Prozent der Nennungen betreffen Finanzierung und Förderlogik. Die Initiativen berichten unter anderem von allgemeinem Geldmangel, kurzfristigen Förderungen, fehlender Planungssicherheit, knappen öffentlichen Mitteln und einer Projektlogik, durch die laufende Kosten oder Personalstellen häufig nicht finanziert werden können.

Ein Viertel der Nennungen bezieht sich auf Ehrenamt, Personal und Kompetenzen. Zeitknappheit und Überlastung, die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen sowie die Besetzung von Vorständen und anderen verantwortlichen Positionen beschäftigen viele Organisationen. Bürokratie, Recht und Verwaltung folgen mit 15 Prozent auf Platz drei. Hier reichen die Schwierigkeiten von Förderanträgen und Berichtspflichten bis zu Datenschutz-, Steuer- und Gemeinnützigkeitsfragen.

Besonders deutlich wird die Belastung beim Blick auf staatliche Förderverfahren. 38 Prozent der Antworten zu bürokratischen Pflichten von Kommunen, Ländern und Bund betreffen die Fördermittel- und Zuwendungsbürokratie. Als herausfordernd werden vor allem Verwendungsnachweise, Abrechnungen, Berichtspflichten, kurze Förderlaufzeiten und unterschiedliche Vorgaben verschiedener Fördergeber beschrieben. Weitere Belastungen entstehen durch lange Bearbeitungszeiten, unklare Zuständigkeiten, Medienbrüche und fehlende digitale Systeme.

Auch bei privaten Stiftungen, Unternehmen, Banken oder anderen nichtstaatlichen Akteuren ähneln sich die Herausforderungen. Ein Viertel der Nennungen entfällt auf Antragstellung, Nachweise und Reporting, rund ein Fünftel auf Förderlogik, Passung und Finanzierung. Kleine Fördersummen bei hohem Aufwand, fehlende Finanzierung laufender Kosten und späte Auszahlungen erschweren die Arbeit zusätzlich.

Gute Förderung setzt auf Vertrauen, Flexibilität und Augenhöhe

Die Befragung zeigt jedoch auch, wie gute Zusammenarbeit gelingen kann. Die Alumni nennen zahlreiche Positivbeispiele aus Stiftungen, öffentlicher Verwaltung, Unternehmen und regionalen Kooperationen. Positiv bewertet werden insbesondere einfache Förderprogramme, verständliche Anträge, flexible Anpassungsmöglichkeiten, persönliche Beratung und angemessene Verwaltungskostenpauschalen.

Über die einzelnen Beispiele hinweg ergibt sich ein klares Bild: Gute Förder- und Kooperationspartner arbeiten mit festen Ansprechpartnern, transparenten Prozessen und realistischen Anforderungen. Sie setzen auf Vertrauen, flexible Mittelverwendung und kurze Entscheidungswege. Mehrjährige Partnerschaften schaffen Planungssicherheit und ermöglichen es sozialen Initiativen, ihre Angebote nachhaltig weiterzuentwickeln.

„Besonders hilfreich ist es, wenn Vertrauen nicht nur eingefordert, sondern auch gegeben wird.“

Die Rückmeldungen der Alumni zeigen damit nicht nur, wo Veränderung notwendig ist. Sie liefern zugleich konkrete Ansätze für eine Förderpraxis, die soziale Initiativen entlastet und ihnen mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit gibt: Menschen zu unterstützen und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Methodik und Stichprobe

An der Online-Befragung nahmen zwischen dem 9. April und dem 12. Mai 2026 insgesamt 117 soziale Initiativen aus ganz Deutschland teil. Da nicht alle Teilnehmenden sämtliche Fragen beantworteten, variiert die Fallzahl je nach Frage. Die Befragung umfasste drei Themenbereiche: gewünschte Angebote und Unterstützungsbedarfe, Hemmnisse und Hürden im Alltag sowie Positivbeispiele in der Zusammenarbeit mit Förderern und anderen Akteuren.

76,5 Prozent der teilnehmenden Organisationen sind eingetragene Vereine. Die Initiativen arbeiten in unterschiedlichen Themenfeldern, besonders häufig in Bildung, Gesundheit und Pflege sowie Migration und Integration. Mehr als die Hälfte ist lokal tätig. Die offenen Antworten wurden nachträglich kategorisiert; bei den Fragen zu bürokratischen Hürden erfolgte die Kodierung KI-gestützt und wurde anschließend durch das startsocial-Team geprüft und bei Bedarf angepasst.

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